Krieg und Frieden im Weltsystem

von Ismail Küpeli

Buchrezension: Krieg

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Krieg. So lautet der Titel einer aktuellen Publikation der „jour fixe initiative berlin“. Die Autoren haben glücklicherweise darauf verzichtet, ein für allemal definieren zu wollen, was Krieg ist. Dies ist sehr begrüßenswert, da auch im 21. Jahrhundert der Krieg „ein wahres Chamäleon“ (Clausewitz) ist. Doch wie kann ein genaueres Hinschauen aussehen? Eine Möglichkeit ist es, konkrete Kriege und Konflikte zu analysieren und daraus allgemeine Schlüsse zu ziehen. Ein Beispiel hierfür ist etwa „Das Unternehmen Krieg – Paramilitärs, Warlords und Privatarmeen als Akteure der Neuen Kriegsordnung“ aus dem Jahre 2003. Eine andere Option ist die theoretische Diskussion von einzelnen Aspekten oder „Gesichtern“ des Krieges. Der vorliegende Sammelband geht diesen Weg.
So skizziert Daniel Bensaid die Diskurse, mit denen Kriege und „Interventionen“ des Westens legitimiert werden. Insbesondere der Bezug auf moralische und ethische Prinzipien bei der Begründung von „humanitären Interventionen“ und „gerechten Kriegen“ wird aufgeschlüsselt. Wolfgang Kaleck rollt die Debatte um „Feindstrafrecht“ auf. Es wird dabei deutlich, dass Menschen durch die Deklaration als „Feinde“ Menschenrechte verlieren und dass Begrenzungen der staatlichen Repression fallen.
Sehr spannend ist auch der Beitrag von Titus Engelschall und Elfriede Müller über das „Dilemma sozialrevolutionärer Gewalt“. Sie beschreiben anhand der russischen Revolution 1917, der deutschen Novemberrevolution von 1918/19 und der kubanischen Revolution die Verknüpfung von Krieg und Revolution. Der Krieg machte in diesen Fällen die Revolution zunächst erst möglich, führte aber dann zur Militarisierung der Revolution und zur Unterminierung emanzipatorischer Perspektiven. Die Autoren beschreiben das Dilemma, können Ideen für eine Überwindung aber nur andeuten.
Das Sammelband spricht in insgesamt neun Beiträgen viele Aspekte an, bezieht Diskurse ein und zeigt Perspektiven auf. Ein zusammenfassendes Fazit fehlt. Dies ist aber bei der Themenbreite kaum überraschend.

jour fixe initiative berlin (Hg.): Krieg. Unrast Verlag, Köln 2009, 184 Seiten, 16 Euro.

Ismail Küpeli

Eine überarbeitete Fassung dieser Buchrezension erschien in der analyse&kritik (Nr. 541 vom 21.8.2009).

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Written by krieg&frieden im weltsystem

Juni 13, 2009 um 8:20 pm

Veröffentlicht in Rezensionen

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