Krieg und Frieden im Weltsystem

von Ismail Küpeli

Archive for Mai 2009

Buchrezension: Überleben im Goldland – Afrika im globalen Kapitalismus

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Ein „fundierter Überblick über die Stellung Afrikas im globalen Kapitalismus“ wird im Klappentext versprochen. Zu lesen ist eine solide Darstellung einiger ökonomischer und sozialer Daten (Einkommen, Produktivität, Industrialisierungsgrad usw.) und eine Diskussion der „westlichen“ und „afrikanischen“ Entwicklungspolitiken. Anschließend stellt Goldberg noch das Konzept der „afrikanischen Produktionsweise“ vor und bietet mögliche Lösungsansätze für die Überwindung der Unterentwicklung in Afrika an.
Relevante Entwicklungstheorien werden besprochen, wobei die Schwerpunkt eher auf Debatten der 1980er Jahre liegt. So wird etwa die Diskussion um die Schuldenkrise und die Strukturanpassungsprogramme zusammenfassend dargestellt. Die aktuellen Diskussionen fehlen weitgehend. So etwa die Diskussion über neuere Untersuchungen, die in Frage stellen, ob „Entwicklungshilfe“ überhaupt eine positive Wirkung hat. Weiterhin wird über die „asiatische Produktionsweise“ gesprochen und parallel dazu eine „afrikanische Produktionsweise“ so aufgestellt, als hätte es keine Kritik an der Rede über die „asiatische Produktionsweise“ und der traditionellen marxistischen Darstellung von nicht-europäischen Gesellschaften gegeben. Das Basis-Überbau-Modell wird ebenfalls weiter verwendet, wenn auch eine „relative Autonomie“ der „gesellschaftlichen Institutionen“ (S. 158) erwähnt wird. Etwas überraschend ist der positive Bezug auf den Staat als Entwicklungsmotor gegen Ende des Buchs, was sich mit der vorhergegangen Betonung der Relevanz der ökonomischen „Basis“ ein wenig beißt.
Ob die Publikation eine Anschaffung Wert ist, hängt – wie üblich – davon ab, wozu sie dienen soll. Wer eine traditionell-marxistische Ergänzung zu der Entwicklungtheorie-Debatten, insbesondere über Afrika, sucht, wird hier fündig. Enttäuscht werden dagegen diejenigen, die hier nach einer Überwindung der bisherigen Entwicklungstheorien suchen.

Jörg Goldberg: Überleben im Goldland – Afrika im globalen Kapitalismus. PapyRossa, Köln 2008, 249 Seiten, 16,90 Euro.

Ismail Küpeli

Eine überarbeitete Fassung dieser Buchrezension erschien in der analyse&kritik (Nr. 539 vom 15.5.2009)

Written by krieg&frieden im weltsystem

Mai 15, 2009 at 6:08 pm

Veröffentlicht in Rezensionen

Erklärungskraft und Grenzen des spoiler-Konzeptes am Fallbeispiel der Hizbullah

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Wie lässt sich Frieden erreichen und nachhaltig konsolidieren? Die Antworten auf diese Frage sind vielfältig. Neben Ansätzen, die von einem grundsätzlichen Interesse aller Akteure am Frieden ausgehen, hat seit Mitte der 1990er Jahre das spoiler-Konzept an Bedeutung gewonnen. Hier wird argumentiert, dass die erfolgreiche Etablierung und Umsetzung von Friedensabkommen zur Beendigung von Konflikten mit Beteiligung von (nicht-staatlichen) Gewaltakteuren von vielen Faktoren abhängt, die nicht alle genügend gewürdigt wurden. Neben Maßnahmen zur Schaffung von Sicherheit, power-sharing und Versöhnung der früheren Kriegsgegner ist ebenfalls die Identifizierung von „spoilern“, d.h. von Akteuren, die einen „Friedensprozess unterlaufen, blockieren oder sabotieren“ (Schneckener 2003: 4) und ein adäquater Umgang mit ihnen notwendig. Dies ist des Weiteren auch deswegen relevant, weil Friedensprozesse besondere Risiken erzeugen und in vielen Fällen die „casualties of failed peace […] infinitely higher than the casualties of war“ (Stedman 1997: 5) sind. Die bisherige Forschung über spoiler ist durch die Perspektive der internationalen und westlichen Akteure geprägt. Dies führt auch dazu, dass beim Umgang mit spoilern der Schwerpunkt auf die Maßnahmen der internationalen Akteure gelegt wird. So sei etwa „[t]he crucial difference between the success and failure of spoilers“ die „role played by international actors“ (Stedman 1997: 6). Über die internen Prozesse, durch die Akteure sich zu spoilern entwickeln und ggf. auch wieder zu mehr Kooperation im Friedensprozess finden, ist noch wenig bekannt. Als ein Beispiel für einen spoiler, der verschiedene Stadien durchlebte und trotz vieler Widersprüchlichkeiten und anzunehmender Hindernisse den Friedensprozess akzeptierte und die Umsetzung nicht unterminierte, lässt sich die libanesische Hizbullah aufführen. Die Faktoren und Prozesse dieser Wandlung sollen hier untersucht werden.

Ismail Küpeli: Erklärungskraft und Grenzen des spoiler-Konzeptes am Fallbeispiel der Hizbullah. München, 2009, ISBN 3-640-27032-0

Einleitung, Inhaltsverzeichnis und einige Seiten aus dem Text lassen sich bei grin.com einsehen.

Written by krieg&frieden im weltsystem

Mai 7, 2009 at 1:20 pm

Veröffentlicht in Publikationen