Krieg und Frieden im Weltsystem

von Ismail Küpeli

Buchrezension: J. Grundmann: Islamische Internationalisten

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In den letzten 5-6 Jahren, wo sehr viele Bücher über den Islam, Islamismus und Jihadismus publiziert wurden, fällt auf, dass sich die Mehrzahl der Veröffentlichungen mit Al Qaida beschäftigt. Andere Aspekte sind weitestgehend aus dem Blick verschwunden –so etwa zwei zentrale islamische Organisationen:

Die Muslimbruderschaft und die Islamische Weltliga. Johannes Grundmann hat jetzt mit seiner Veröffentlichung „Islamische Internationalisten“ ein Beitrag dazu geleistet, diese Lücke in der deutschsprachigen Debatte zu schließen.

Auf 118 kleinen Seiten (nicht viel größer als das Reclam-Format) werden Geschichte, Ideologie, Stand und Perspektiven dieser sehr unterschiedlichen Organisationen zusammenfassend dargestellt. So ist die Muslimbruderschaft eher ein Netzwerk von Gruppen, die sich von Land zu Land unterscheiden, sowohl was die jeweilige Politik als auch die Stellung in Staat und Gesellschaft betrifft: Während sie in Jordanien im Parlament sitzt, ist sie in Ägypten offiziell verboten, aber geduldet, und in Syrien wird die Mitgliedschaft bestraft.

Die Islamische Weltliga dagegen hat keinesfalls unter staatlichen Repressionen zu leiden, da sie durch den saudischen Staat finanziell und logistisch gefördert wird. Ziel der Islamischen Weltliga ist es, die in Saudi-Arabien herrschende wahhabitische Islaminterpretation (also eine konservative und fundamentalistische) in anderen islamischen Gesellschaften durchzusetzen. Dies soll hauptsächlich über Missions- und Bildungsarbeit geschehen.

Zu kritisieren ist jedoch die Perspektive Grundmanns. Er beschäftigt sich hauptsächlich damit, inwiefern diese Organisationen finanzielle und logistische Möglichkeiten für islamistische Terroristen bieten und zur Entstehung von muslimischen „Parallelgesellschaften“ (S. 12) in Europa beitragen. Die Rolle der Muslimbruderschaft und der Islamischen Weltliga bei der Re-Islamisierung der Gesellschaften der Nahen und Mittleren Osten bleibt unterbelichtet. Wenn aber bei der Lektüre des Buches die eurozentristische und sicherheitsorientierte Perspektive des Autors mitgedacht und reflektiert wird, lässt sich einiges erfahren über diese beiden sehr wichtigen Organisationen.

Johannes Grundmann: Islamische Internationalisten. Strukturen und Aktivitäten der Muslimbruderschaft und der islamischen Weltliga. Reichert Verlag, Wiesbaden, 2005, 118 Seiten, 9,90 Euro.

Ismail Küpeli


Eine kürzere Fassung dieser Buchrezension erschien in der analyse&kritik (Nr. 507 vom 16.6.2006). (PDF-Version)

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Written by krieg&frieden im weltsystem

März 6, 2008 um 5:38 pm

Veröffentlicht in Rezensionen

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