Krieg und Frieden im Weltsystem

von Ismail Küpeli

Buchrezension: G. Achcar / M. Warschawski: Der 33 Tage-Krieg

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Über den Libanonkrieg 2006 sind inzwischen, neben zahlreichen Artikeln und Aufsätzen, auch zwei Bücher erschienen. Zum einen die recht umfangreiche Publikation von Simon Wunder und zum anderen die etwas knappere Veröffentlichung von Gilbert Achcar und Michael Warschawski: „Der 33-Tage-Krieg“.

Vorweg: Eine engagierte Kritik der US-amerikanischen und israelischen Politik zu schreiben, ist nichts Verwerfliches. Ebenso wenig verwerflich ist es, auf die Widersprüche zwischen Kriegsrealität und -legitimationsversuchen hinzuweisen.

Problematisch ist jedoch, dass die Publikation zwar für sich in Anspruch nimmt, die „Lücke im spärlich vorhandenen Wissen über den Libanon und die Hisbollah“ zu schließen und eine „fundierte Bewertung des aktuellen Israel-Libanon-Konfliktes“ (siehe Klappentext) zu liefern, aber hauptsächlich aus der Reproduktion der bekannten und vielfach formulierten Kritik der US-amerikanischen und israelischen Politik besteht.

Dies zeigt sich etwa in der Darstellung der Hisbollah auf knapp 10 Seiten (S. 24-33), die unterbrochen wird von polemischen Einwürfen gegen die USA und Israel. Zu finden sind etwa Hinweise auf die „sozialen Dienstleistungen“ der Hisbollah, allerdings ohne eine genauere Analyse dieser oft genannten sozialen Seite einer Organisation, die auch eine politisch-militärische ist. Die Darstellung der militärischen Seite der Hisbollah lehnt sich sehr eng an das Selbstverständnis der Hisbollah an. So ist etwa die Rede von der „im Interesse des Libanon legitimen Bewaffnung“ (S. 33), die dafür da sei, den Libanon zu verteidigen. Dass die militärischen Aktionen der Hisbollah gegen Israel auch dazu dienen, sich im innerlibanesischen Konflikt zu profilieren, bleibt ausgeblendet. Die Darstellung der Geschichte Libanons von der Staatsgründung bis 2006 ist mit einem Umfang von 5 Seiten ebenfalls sehr kompakt.

Insgesamt wird der Libanonkrieg 2006 als Teil eines von USA und Israel geplanten und durchgeführten „unbegrenzten globalen Krieges“ (S. 54, 58, etc.) auf der Basis einer „gemeinsam erarbeiteten Strategie der Neokonservativen beider Länder (USA und Israel, A.d.A.)“ (S. 60) deklariert. Die Formulierung, die USA und Israel seien ein „zweiköpfiges Monster“ (S. 60), ist dann eine Konsequenz dieser Perspektive und macht die analytischen Schwächen deutlich.

Gilbert Achcar / Michel Warschawski: Der 33 Tage-Krieg. Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon und seine Konsequenzen. Edition Nautilus, Hamburg, 2007, 93 Seiten, 10,90 Euro.

Ismail Küpeli

Eine kürzere Fassung dieser Buchrezension erschien in der analyse&kritik (Nr. 520 vom 21.9.2007) . (PDF Version)

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Written by krieg&frieden im weltsystem

März 6, 2008 um 5:43 pm

Veröffentlicht in Rezensionen

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